Die vermögensverwaltende GmbH – Vor- und Nachteile

Eine vermögensverwaltende GmbH wird als Kapitalgesellschaft zur Verwaltung und Organisation von Vermögen eingesetzt. Diese Gesellschaft gibt es neben der GmbH auch in anderen Rechtsformen, beispielsweise als GbR, UG oder KG. Die GmbH hat sich bewährt und bietet spezielle Vorteile, um diese soll es hier gehen.

Nutzungsvarianten der vermögensverwaltenden GmbH

Je nach Art des Vermögens – Betriebs- oder Privatvermögen – wird die vermögensverwaltende GmbH in zwei Formen genutzt:

  • #1: Sie ist Tochter einer Holding, wobei die Muttergesellschaft Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen in der vermögensverwaltenden GmbH bündelt. Das bringt vor allem Vorteile für ganzheitliche Verwaltung, zudem müssen die Gewinnausschüttungen der vermögensverwaltenden GmbH als Tochter an die Holding nicht versteuert werden.
  • #2: Auch Privatpersonen können eine vermögensverwaltende GmbH nutzen, um ihr Privatvermögen zu verwahren. Auch hier sind Steuervorteile zu generieren, wenn Aktien, ETFs, Anleihen oder Immobilien übertragen werden.

Als Steuervehikel amortisiert sich diese Rechtsform allerdings erst bei einem bestimmten Vermögen (siehe weiter unten). Wie bei jeder GmbH entstehen nämlich auch hier Gründungs- und Verwaltungskosten.

Privatvermögen der Gesellschafter in der vermögensverwaltenden GmbH

Die Gesellschafter können selbstverständlich ihr Privatvermögen übertragen. Das ist einer der Zwecke dieser Gesellschaft, die daher den saloppen Beinamen „Spardosen-GmbH“ trägt. Zumindest wird nämlich die Abgeltungssteuer gespart. Die Abgeltungs- oder Kapitalertragsteuersätze liegen in Deutschland Ende 2019 je nach Kirchensteuersatz und -pflicht zwischen rund 26,4 und 28 %. Sie enthalten 25 % reine Abgeltungssteuer + Kirchensteuer + Soli (solange er noch besteht). Diese Steuer zahlen Personen, die sich Kapitalerträge privat ausschütten lassen. Sollten diese nun in der vermögensverwaltenden GmbH verbleiben, sind sie Betriebsvermögen, das schließlich unter Umständen kumuliert werden kann und daher nicht mit dieser Steuer belegt wird.

Gründungsvoraussetzungen für die vermögensverwaltende GmbH

Die Gründung erfolgt wie bei jeder GmbH unter folgenden Voraussetzungen:

  • Aufsetzen eines Gesellschaftervertrages
  • Eintrag ins Handelsregister mit Angabe des Tätigkeitszwecks (ausschließliche Vermögensverwaltung, kein anderer Geschäftszweck)
  • Einlage von 25.000 Euro Stammkapital

Dass die GmbH keinen anderen Geschäftszweck als die Vermögensverwaltung verfolgt, ist aus steuerlichen Gründen sehr bedeutsam.

Wann lohnt sich die Gründung?

Wegen der Kosten und des Aufwands lohnt sich die Gründung erst, wenn die Steuerersparnisse diese Kosten übersteigen. Im Zweifelsfall und wegen der unterschiedlichen Besteuerung sowohl von Unternehmen als auch von Privatpersonen sollte ein Unternehmens- bzw. Steuerberater für die Berechnung hinzugezogen werden. Wir unterstützen Sie gern. Pauschal lassen sich folgende ungefähren (!) Eckdaten nennen:

  • Gründungskosten: ~2.000 Euro
  • Stammkapital: 25.000 Euro
  • jährlicher Unterhalt: ~1.000 Euro
  • lohnenswert ab 100.000 Euro Barvermögen, dem entsprechenden Äquivalent in Wertpapieren oder mindestens zehn Immobilien

Wer darf die vermögensverwaltende GmbH gründen?

Gründen darf sie grundsätzlich jede natürliche oder juristische Person, Geschäftsführer dürfen aber nur Personen werden, die nicht in den letzten Jahren wegen einer Insolvenzstraftat verurteilt wurden. Die Gründung ist theoretisch auch ohne nennenswertes Vermögen möglich, allerdings nicht sinnvoll, sondern verlustträchtig wegen der Gründungs- und Unterhaltskosten. Auch die vorausschauende Gründung, weil jemand glaubt, demnächst über das betreffende Vermögen zu verfügen, empfehlen wir nicht.

Nötige Schritte für die Gründung

  • Erstellung des Gesellschaftsvertrages: Enthalten sind Angaben zur GmbH, ihrem Sitz, den Gesellschaftern und ihren Nennbeträgen der Geschäftsanteile, zum Gegenstand des Unternehmens (reine Vermögensverwaltung) und zur Höhe des Stammkapitals. Musterverträge sind sehr günstig, ein Notar kann sich den Entwurf nochmals anschauen.
  • Eröffnung des Geschäftskontos: Das Geldinstitut wird hierfür schon die Vorlage des Gesellschaftervertrages verlangen. Der geschäftsführende Gesellschafter muss sich ausweisen.
  • Notartermin: Der Notar liest den fertigen Gesellschaftervertrag den anwesenden Gesellschaftern vor. Der Gesellschaftervertrag muss dann von den Gesellschaftern unterzeichnet werden, der Notar beurkundet ihn und erstellt eine Gesellschafterliste.
  • Einzahlung der Stammeinlage: Das Stammkapital wird auf das Geschäftskonto eingezahlt.
  • Eintrag ins Handelsregister: Diesen nimmt der Notar nach dem Nachweis der Stammeinlage vor.
  • Bekanntmachung der GmbH
  • Antrag auf Befreiung von der Gewerbesteuer
  • Aufnahme der Geschäftstätigkeit

Stammkapital

Jede deutsche GmbH muss mindestens 25.000 Euro Stammkapital nachweisen, es darf auch mehr sein. Die Einlage bringen die Gesellschafter gemeinsam ein, wobei sie sich am Stammkapital in unterschiedlicher Höhe beteiligen können. Diese Höhe hängt nicht notwendigerweise mit der Höhe ihrer Anteile an der vermögensverwaltenden GmbH zusammen. Diese Höhe bestimmt sich durch ihr eingebrachtes Vermögen. Das Stammkapital schützt Gläubiger einer GmbH vor dem Totalverlust. Sollte es niemals angegriffen werden, würde es im Falle der Liquidation an die Gesellschafter wieder in der Höhe ausgezahlt werden, in der sie es eingezahlt haben (abzüglich Liquidationskosten und gegebenenfalls zzlg. Zinsen).

Listung im Bundesanzeiger

Die vermögensverwaltende GmbH wird wie jede andere GmbH im Bundesanzeiger gelistet. Das gefällt nicht jedem Gründer und Gesellschafter, denn bei dieser Listung lässt sich für aufmerksame Beobachter das Privatvermögen der betreffenden Personen nachvollziehen. Wenn jemand privates Vermögen im Scheidungsfall in so eine Gesellschaft einbringen möchte, muss er diesen Nachteil beachten.

Steuern

Sofern die vermögensverwaltende GmbH nicht gewerblich tätig wird, zahlt diese tatsächlich keine Gewerbesteuer. Die Gesellschaft zahlt lediglich 15% Körperschaftssteuer.

Vorteile einer vermögensverwaltenden LTD

Eine vermögensverwaltende Gesellschaft hat mitunter deutliche steuerliche Vorteile im Vergleich zur deutschen GmbH.

Entnahme von Gewinnen bei Wohnsitz Ausland

  • keine Quellensteuern in verschiedenen EU-Ländern
  • GmbH-Gesellschafter muss hingegen in Deutschland 26,375% Quellensteuer zahlen